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Historische Arzneiformen.

Abkochungen und Aufgüsse

Infundierapparat aus der Sammlung von Apotheker Peter Sommer

Abkochungen und Aufgüsse sind wässrige Auszüge aus Arzneidrogen, die in der Regel nach besonderer Vorschrift des Arztes hergestellt wurden. Bei der Herstellung der Abkochungen wurden die Drogen mit kaltem Wasser angesetzt, dann die vorgeschriebene Zeit erhitzt und warm abgepresst, während man die Aufgüsse so herstellt, dass man die Droge mit siedendem Wasser übergießt, die vorgeschriebene Zeit erhitzt und nach dem Erkalten koliert d.h. durch ein Tuch abseiht.

 


Infundierbüchsen aus Porzellan

Technik und Apparatur für Abkochungen und Aufgüsse sind die gleichen. Man gibt die Droge in eine Infundierbüchse, die meist aus Zinn oder Porzellan besteht, übergießt sie mit der vorgeschriebenen Menge Wassers, lässt unter Umrühren im gut bedeckten Gefäß stehen und trennt dann den wässrigen Auszug von der Droge durch Abpressen, Kolieren oder Filtrieren.
Man sollte stets im Dampfbad erhitzen, nie auf freiem Feuer. In größeren Apotheken dürfte der mit Infundier- Löchern versehene Dampfapparat (Destille) stets beheizt sein.

Abpressen und Kolieren

Im allgemeinen seiht man die kalten oder heißen Auszüge unter Pressung durch Zusammendrehen des Tuches durch, lässt sie noch eine kurze Zeit absetzen und gießt sie dann wenn nötig durch etwas Watte in die Arzneiflasche. Die hierzu üblichen Koliertücher sind in solche für bittere, für stark gefärbte und für schwach gefärbte Auszüge zu unterscheiden und in größerer Zahl vorrätig zu halten.

Aus Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis von 1938

 

Infusum  Ipecacuanhae

aus den Reichsformeln von 1944

Die wohl bekannteste Rezeptur eines Aufgusses ist das Infusum Ipecacuanhae R.F., das in unserer Apotheke noch bis vor kurzem als Hustensaft verordnet wurde. Der Auszug aus der Brechwurzel wirkte stark auswurffördernd während der Zusatz der Anistropfen den Schleim lösen sollte.

 

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