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Historische Arzneiformen.

Die (Blei)-Pflaster


Emplastrum in einer Spanschachtel aus dem 19. Jahrhundert,
aus der Sammlung der Privilegierten Apotheke am Markt

"Dieses köstliche Emplastrum hat alle Eigenschaften, welche die Pflaster von der besten Kompositionen in sich enthalten. Es heilet alle Wunden und äußeren Schäden, reiniget dieselben und läßt kein todtes Fleisch darin entstehen und stillet den kalten Brand. Es bewirkt schnell, daß eingestochene Spreisel und dergleichen ausgezogen werden können, ist gut für Hundsbissen und für das Rotlaufen oder die Rose. Ferner zieht es den Eiter aus den Geschwülsten und läßt keine Hitze dazu kommen, macht alle harten Geschwülste und Beulen weich und bringt auch die erfrorenen Glieder wieder zurechte. Wird präpariert und zugerichtet von einem examinierten und verpflichteten Laboranten."

 

Emplastra

 

Emplastra sind die Ur- Pflaster. Diese waren zum äußerlichen Gebrauch bestimmte Arzneizubereitungen, deren Grundmasse aus Bleisalzen höherer Fettsäuren bestand und durch Kochen von Bleiglätte mit Fetten hergestellt wurde. 
Für das einfache Bleipflaster (Emplastrum Lithargyri) wurden nach dem Deutschen Arzneibuch je 1 Teil Erdnussöl, Schweineschmalz und Bleiglätte benötigt. Die Blei- Pflaster wurden in Tafeln, Stangen oder Stücke von verschiedener Form gebracht oder auf Stoff gestrichen. Sie waren bei gewöhnlicher Temperatur fest und in der Hand knetbar. Im 19. Jahrhundert waren sie eine verbreitete Arzneiform. In der Rezeptur der Privilegierten Apotheke gab es eigens einen Schrank mit diversen Schubladen zur Aufbewahrung der Pflaster. Dort wurden die Emplastra locker zwischen Pergament oder Wachspapier gelagert.
Die älteste Art der Pflaster wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Kautschukpflaster (Collemplastra) verdrängt, welche hauptsächlich als gestrichene Pflaster mit Pflasterstreichmaschinen hergestellt wurden.

Bleipflastersalbe

Das einfache Bleipflaster behielt bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts seinen Platz in der Apotheke. 2 Teile Bleipflaster wurden nach dem Arzneibuch mit 3 Teilen weißem Vaselin zur Bleipflastersalbe (Unguentum diachylon) verarbeitet, welche noch häufig in Salben- Rezepturen Verwendung fand.

 Spezialpflaster

Der Pflastermasse wurden verschiedene Wirkstoffe beigefügt. Zur Herstellung wurden zunächst die schwer schmelzbaren Stoffe für sich geschmolzen. Beigefügt wurden zum Beispiel zum Belladonna-Pflaster mit Wachs und Terpentin extrahierteTollkirsch- Blätter. Auch Canthariden- Pflaster waren sehr beliebt. Die gepulverten Spanischen Fliegen, die stark die Durchblutung förderten und auch als Aphrodisiakum (Liebesmittel) benutzt wurden, wurden dazu in Terpentin gelöst und mit Erdnussöl und Wachs geschmolzen. Für das Capsicum- Pflaster, das spätere ABC-Pflaster, wurde Capsicum- Extrakt vorher in Harz geschmolzen, das fertige Pflaster war mit Drachenblut rot zu färben. 

 

Heftpflaster

Urahn des heutigen Hansaplast war das Emplastrum adhaesivum (Heftpflaster). Dem Bleipflaster wurden Geigenharz, Dammarharz oder Kautschuk beigefügt, die dem auf Stoff gestrichenen Bleipflaster Klebkraft verleihen sollten. 
Apotheker Beiersdorf entwickelte später das Zinkoxid-Kautschuk-Pflaster (Collemplastrum Zinci), das als Hansaplast weltberühmt wurde.

 


 

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